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Premiere 2018: Die Podiumsdiskussion 

"Hope Spots": Wie können wir den Ozean retten?  

Die Podiumsdiskussion rund um das Thema "Hope Spots" fand am 15.03.2018 auf der Premiere der International OCEAN FILM TOUR Volume 5 statt. Gemeinsam mit der Meeresforscherin Dr. Sylvia Earle diskutierten Aktivisten sowie Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik darüber, wie man den bedrohten Lebensraum "Ozean" schützen kann und was jeder Einzelne, aber auch die Politik dafür tun muss, um diese ungeheuer wichtige Aufgabe zu bewältigen. 
 

 

 

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (von links nach rechts): Hannes Jaenicke (Schauspieler, Autor, Aktivist), Dr. Georg Heiss (Geobiologe FU Berlin, Mitbegründer und Vorsitzender von Reef Check e.V. Deutschland), Dr. Sylvia Earle (Meeresforscherin und Autorin. TED-Preisträgerin. Sie ist die Gründerin der Meeresschutzorganisation Mission Blue, dazu gehört die sogenannte HOPE SPOT Initiative für den Erhalt und die Errichtung ozeanischer Schutzzonen), Moderatorin Dr. Tanja Busse (Wissenschaftsmoderatorin und Autorin), Andreas Winterer (Chefredakteur utopia.de), Dr. Toni Hofreiter (Biologe, MdB und Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag), Wayne Kafcsak (Geschäftsführender Direktor von Fregate Island Private)
 


Premiere 2018: Keynote-Präsentation

Dr. Sylvia Earle: "It's up to us"

Dr. Sylvia Earle bereicherte die Premiere der International OCEAN FILM TOUR Volume 5 mit einen knapp halbstündigen Vortrag zum Thema Meeresschutz. Hier könnt ihr euch ihre komplette Präsentation ansehen.  


 


5 Fragen an Dr. Sylvia Earle

SCHAUT IN DEN SPIEGEL!

Dr. Sylvia Earle ist die Grande Dame der Meere. Ohnegleichen ist ihr Engagement in der Meeresforschung und für ozeanische Schutzzonen, sogenannte "Hope Spots". Die 82-jährige TED-Preisträgerin ist Ehrengast der International OCEAN FILM TOUR Premiere in Hamburg.



Als Sie 2009 den TED-Preis gewannen durften Sie sich etwas wünschen. Sie wünschten sich das Engagement der Weltgemeinschaft für den Schutz und die Rettung der Ozeane. Welche Veränderungen sehen sie jetzt – neun Jahre später?
 

2009 sagte ich, dass die kommenden zehn Jahre die nächsten 10.000 Jahre formen würden. Dass Entscheidungen, die wir jetzt treffen, einen stetig größeren Einfluss auf das nehmen, was kommt. Das Gleiche gilt auch heute, doch viele Gelegenheiten wichtige Arten und Natursysteme zu schützen wurden nicht ergriffen. Wir haben diese Chancen verstreichen lassen. Gleichzeitig stärkt sich weltweit ein Bewusstsein, das politische Engagement und Verhaltensweisen, die einen wichtigen Zusammenhang anerkennen: Alles was uns lieb ist – Gesundheit, Sicherheit, Wachstum und am wichtigsten – das Leben an sich – hängt davon ab, dass wir Frieden mit der Natur schließen.


Dr. Earle, Ihre Organisation MISSION BLUE will durch die Etablierung von sogenannten „Hope Spots“ (dt. Hoffnungspunkte) die Artenvielfalt der Weltmeere schützen. Die Schutzzonen sollen dem Meer eine Verschnaufpause geben um sich zu regenerieren. Was passiert, wenn eine Region zum „Hope Spot“ erklärt wurde?
 

Mission hat sich mit der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) zusammengetan um mit einem Expertenpanel ein Protokoll für die Abwicklung einzelner Hope Spot Bewerber zu entwickeln. Sobald ein Hope Spot genehmigt ist, wird er auf einer Weltkarte eingetragen, die auf der Hope-Spot- und Mission-Blue-Webseite und in deren Netzwerken publiziert wird. Zudem beraten wir die Hope-Spot-Bewerber in Sachen Öffentlichkeitsarbeit mit Bildern, Filmen, Daten und Geschichten. Durch die Partnerschaft mit der Professional Association of Diving Instructors verbinden wir Taucher und Schnorchler mit den knapp 90 existierenden Hope Spots und wir bestärken sie darin weitere Orte zu nominieren, die sie kennen und lieben. Mission Blue verbindet mehr als 100 Partner miteinander und informiert sie zu gemeinschaftlichen Bemühungen dauerhafte Schutzzonen zu errichten. Daraus entsteht ein globales Netzwerk der Hoffnung, das auf konkreter Tatkraft beruht.


Korallenriffe zählen zu den artenreichsten Orten der Weltmeere. Gesunde Riffe können bedrohte Riffe durch die Meeresströmungen befruchten und wieder zum Leben erwecken. Doch was muss passieren um die Fischbestände der Weltmeere zu retten?
 

Dort wo das Töten aufhört, beginnt die Regeneration. Dank großangelegten Schutzzonen gibt es heute mehr Meeresschildkröten und Wale als noch vor einem halben Jahrhundert. Jetzt wissen wir: Korallenriffe brauchen Rifffische und Rifffische brauchen Korallenriffe. Jahrzehntelange Forschung beweist, dass in designierten Schutzzonen die Dichte, Größe und Vielfalt der Arten bedeutend zunimmt, während in „gemanagten“ Zonen mit saisonaler Schließung, Fanglimits und Schutz vereinzelter Arten (einige Arten dürfen von Sportfischern bejagt werden) wenig Verbesserung zu sehen ist.

Der Schutz intakter Ökosysteme, wie beispielsweise National Geographic’s Projekt „Pristine Seas“ oder die neue Welle an komplett geschützten „blauen“ Parks, ermöglicht es Zentren der Erholung und Rückgewinnung zu etablieren.

 

Denn das Töten von ozeanischen Spezies auf industriellem Niveau verändert buchstäblich die chemische Zusammensetzung unseres Planeten und setzt Prozesse in Gang, die tatsächlich die Beschaffenheit der Natur verändern. Die Revitalisierung von Korallenriffen und Fischbeständen setzt voraus, dass wir unsere Haltung gegenüber deren Wert grundlegend überdenken. Anstatt von Fisch-„Beständen“ zu reden, sollten wir sie als wild lebende Tiere sehen, als „Vögel des Meeres“, die lebendig wesentlich wertvoller sind, nämlich als entscheidender Teil des ozeanischen Ökosystems – die Wiege unserer Existenz.

Wir sollten lieber mit diesen Wesen im Ozean schwimmen, als sie erst in Butter und Zitronensauce schwimmend auf unserem Teller zu erblicken, oder sie zu Tierfutter zu zermahlen. Manche Menschen sind auf die Nahrung aus dem Meer angewiesen, doch für die meisten von uns ist der Verzehr von Meeresbewohnern eine freiwillige Entscheidung und keine Notwendigkeit.

 

In nur ein paar Jahrzehnten haben wir die weltweite Population großer Meeresbewohner um die Hälfte dezimiert. So haben wir entscheidende Glieder in der Nahrungskette des Meeres entfernt. Schnellwachsende, anpassungsfähige Mikroben profitieren davon, doch empfindliche Systeme, die sich über Jahrmillionen etabliert haben, wurden durch die Befischung schwer geschädigt.

 

Wenn wir wilde Pflanzen und Tiere als Ware behandeln, sind wir blind für deren Wert im System. Doch durch die jüngsten Vorstöße der Forschung, großartige Filme und die neuen Medien, wächst das Bewusstsein für einen lebenden Ozean – er dient als Quelle von Sauerstoff, seine Bewohner binden „blauen Kohlenstoff“ und er hält unseren Planeten am Leben und für uns bewohnbar, inmitten eines Universums, das unseres Wissens nur unfreundliche Alternativen bietet. Filme über den Ozean helfen uns Fische und andere Meeresbewohner als Individuen mit Sinnen, Emotionen und Empfindungen zu erkennen, die wir uns sonst kaum vorstellen können.


Hoffen heißt Handeln – können Sie uns drei Dinge nennen, die Sie täglich tun um den Ozean zu schützen? Was können wir in unserem Alltagsleben tun um unseren Beitrag zu leisten?
 

1)
Auch wenn ihr den Ozean nicht zu Gesicht bekommt und ihn nicht berührt – er berührt euch und zwar mit jedem Atemzug, mit jedem Tropfen Wasser, den ihr trinkt. Ein Großteil des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre wird von Meeresbewohnern produziert. Wenn ihr einatmet, dann denkt hin und wieder „Danke, Ozean!“ 97 % allen Wassers auf Erden ist Meerwasser. Es ist die Hauptquelle für den Regen, Graupel und Schnee, der auf die Erde, aufs Meer und auf uns fällt. Denkt euch den Ozean als Teil des Planeten, der euch am Leben hält, den genau das ist er. Kein Ozean, kein Leben, kein Du und Ich. Das eigene Herz muss man auch nicht sehen, um den Wert seiner Existenz zu erkennen.

 

2)
Denkt daran – die Erde verliert nichts. Die Flüsse, das Grundwasser, die Kanalisation – alles mündet schließlich im Meer. Das gilt nicht nur für den sichtbaren Müll sondern auch für das Kohlendioxid und den Ruß, den wir beim Verbrennen von Kohle und fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre blasen. Ein gewisses Maß an Kohlendioxid ist wichtig für die Photosynthese doch die menschlichen Aktivitäten auf dem Planeten verursachen einen CO2-Überschuss, der nicht nur für Erderwärmung sorgt, sondern auch den Meeresspiegel steigen lässt, die Meere versauert und die chemische Zusammensetzung der Welt verändert. Wenn ihr also das nächste Mal eine Plastiktüte wegwerfen wollt, dann denkt daran, dass sie eine Seeschildkröte ersticken könnte oder sich in Mikroplastik auflöst und von einer Auster verspeist wird, die man euch wiederum im Restaurant serviert.

 

3)
Seid euch der wahren Kosten bewusst, wenn ihr Meeresfrüchte und Fische verzehrt – die realen und meistens unsichtbaren Kosten. Ein hundert Jahre alter Kaiserbarsch, ein fünfzigjähriger Heilbutt, ein dreißigjähriger Wolfbarsch oder ein zehnjähriger Tunfisch reißen große Lücken in das ozeanische Ökosystem. Die industriellen Fangmethoden verursachen viel Beifang, der einfach weggeworfen wird. Das ist fatal für das gesamte System. Sogar kleine, schnell-wachsende Fische wie der Hering oder der Tintenfisch sind von der großangelegten Fischerei bedroht. Indem wir sie fangen, nehmen wir vielen Vögeln, Walen, Seehunden und anderen Tieren eine wichtige Nahrungsgrundlage. Die industrielle Bejagung von Meeresbewohnern wird von wirtschaftlichen Kräften befeuert. Das heißt: Deine Kaufentscheidung ist tatsächlich entscheidend.

 

4)
Darf ich noch einen vierten Punkt anführen? Dieser Punkt sollte eigentlich der Allererste sein. Bitte schaut in den Spiegel. Niemand weiß besser, mit welchen Talenten und Möglichkeiten ihr einen Unterschied machen könnt. Niemand kann alles machen aber jeder kann etwas tun, so dass die Summe aller Taten zu einer Bewegung in die richtige Richtung wird. Den Ozean zu retten, die Welt zu verbessern, ist ein Teamsport.


Die International OCEAN FILM TOUR bietet allen, die das Meer lieben eine weltweite Plattform für Aufklärung, Networking und Unterhaltung. Was ist Ihre Botschaft an unsere Community?
 

Checkt Punkt Nummer vier – in den Spiegel schauen! Kinder machen das ständig. Fragt Fragen und verliert niemals das große Staunen über die Welt, das ihr als Dreijährige hattet. Mythen und Erzählungen liefern uns großartige Unterhaltung und universelle Wahrheiten, aber die fantastischsten, wundervollsten und unterhaltsamsten Geschichten sind die wahren Stories um uns herum. Sie stecken in den Seepocken am Rupf eines Bootes, in den riesigen Schwämmen, die in großer Tiefe leben, in den Tierchen, die in Eiskristallen unterhalb eines Eisbergs leben, in den Eigenschaften des Federkleids eines Seevogels, der tausende Meilen über das offene Meer fliegt. Sie können ihre Geschichten nicht selbst erzählen – das ist eure Aufgabe!


Interview: Mattias Klum 

"WIR KÖNNEN ES RICHTEN"

Der National Geographic-Fotograf und Filmemacher Mattias Klum hat mit seinem Film VAMIZI ein bildgewaltiges Plädoyer für den Schutz der Korallenriffe und den Klimaschutz geschaffen.

 

Wie bist du zum Korallenfilmen gekommen und wie hast du Vamizi entdeckt?

Ich fing Mitte der Achtziger als Wildlife-Fotograf an, aber meine Interessen entwickelten sich bald in Richtung Nachhaltigkeit. 1994 begann ich, Filme zu machen. Meine Filme sollen zur Veränderung inspirieren oder zumindest eine Ehrfurcht vor der Natur im Betrachter wecken. Je mehr wir die Umwelt destabilisieren, desto mehr rechnet die Natur mit uns ab. Als mich die "Friends Of Vamizi Foundation" und die "International Union for Conservation of Nature" (IUCN) einlud, Vamizi zu besuchen, willigte ich sofort ein. Und als ich dort ankam, war ich völlig überwältigt. Als wir das Projekt starteten, wollte ich nicht nur das vielfältige Leben unter der Oberfläche zu zeigen, sondern auch die Arbeit der Wissenschaftler, die so leidenschaftlich wie kompetent die Forschung vorantreiben. 
 


 

Wie kann man die düsteren Nachrichten vom Korallensterben und die hoffnungsvolle Nachricht von Vamizi miteinander versöhnen?

Es ist wie in Shakespeares Stücken, in Opern oder Hollywoodfilmen. Hier begegnet uns das pralle Leben, mit allem Für und Wider. Das macht die ganze Thematik auch greifbarer. Was Vamizi angeht, sehen wir hier die phänomenale Vielfalt eines marinen Ökosystems und befinden uns gleichzeitig an einer Wegscheide mit lokalen wie globalen Herausforderungen. Wir erleben beide Realitäten. Ich mache im Film auch bewusst auf die drohende Entwicklung von Gasfeldern vor der afrikanischen Küste aufmerksam. Ich wollte keinen düsteren Film machen, doch es war mir sehr wichtig, einen klaren Bezug zur Realität herzustellen. Wir müssen verstehen, dass unser Handeln vor Ort, ob in Schweden, Deutschland, Panama oder anderswo das Geschehen weltweit beeinflusst. Der Planet ist so gesehen sehr demokratisch, das ist eigentlich positiv. (lacht) Wir können alle unseren Beitrag zu einem besseren Klima leisten, egal wo wir leben. 
 

Blickst du immer noch hoffnungsvoll auf die Welt?

Ja, das tue ich. Ich halte es immer noch für möglich, dass wir uns für einen besseren Weg in die Zukunft entscheiden. Es geht nicht nur darum, dass die vielen kleinen bunten Tierchen verschwinden, sondern dass damit auch die Stabilität und Belastbarkeit des Planeten in Gefahr gerät. Das bedroht unsere Zukunft. Wir Menschen sind die einzigen „Tiere“, die diese Herausforderung bewältigen können. Wir haben die Empathie, die Intelligenz und wir können die Brücke zwischen Herz und Verstand schlagen. Wir können es richten.

 

Mit Filmen wie Vamizi wollen wir dazu inspirieren und diese Initialzündung zum Handeln geben. Wer misanthropisch wird und in Weltuntergangsstimmung gerät, hat schon verloren. Was unseren Planeten und unsere Zukunft anbelangt, gilt es alles zu gewinnen und nicht zu verlieren.

 

Was war die größte Herausforderung während der Dreharbeiten von VAMIZI?

Eine Herausforderung sind auf jeden Fall die „Schauspieler“, die Haie und Buckelwale. Man kann sich schlecht mit ihnen verabreden. (lacht) Aber die größte Herausforderung ist es sicherlich, eine eigene fotografische Sprache zu finden und dem Film eine Seele zu geben. Als Europäer und Schwede ziehe ich dabei einen ruhigeren Erzählstil vor.

 

Als wir filmten, träumten wir davon das „kitakulu“, das große Laichen der Korallen während einer Vollmondnacht, mit der Kamera einzufangen. Wir warteten und warteten und schließlich hatten wir Glück - es geschah - und wir hatten nur wenige Augenblicke, um das Ganze zu filmen. Aber jeder Tag, jeder Tauchgang ist magisch. Auf einmal geschieht etwas und du hast die Chance, es mit der Kamera einzufangen. Dann erscheint dir der Moment wie ein Geschenk und das ist ein wunderschönes Gefühl. Wenn ich es schaffe, diesen Gefühl irgendwie auf der Leinwand rüberzubringen, wenn ich den Zuschauer damit anstecke und er/sie sagt „Hey, ich will das auch erleben.“ oder „Ich will mich für die Meere einsetzen.“ oder „Ich möchte in die Forschung gehen.“, dann ist das genial. Das ist mein Traum.

MATTIAS KLUM


Der gebürtige Schwede filmt und fotografiert seit seiner Jugend die schönsten und wildesten Winkel der Flora und Fauna unseres Planeten.
VAMIZI ist bereits sein zweiter Film über das Universum der Korallen.

 

 


Vamizi: ein Hope Spot

RIFFE IN GEFAHR 

Vor der Küste von Mosambik schlummert eine Schatzkiste unter den Wellen. Wie ein buntes Band umgibt ein gesundes und florierendes Korallenriff die Insel Vamizi. Es ist ein Lichtblick im Kampf um die Erhaltung der Artenvielfalt, denn überall auf der Welt sind viele Riffe in Gefahr. 

Kaum ein Ort versinnbildlicht das Ökosystem Meer wie ein Korallenriff – unterschiedlichste Arten teilen sich diesen Ort und jeder noch so kleine Organismus spielt eine Rolle im großen Ganzen.

Riffe bedecken zwar nur ein Prozent des Meeresbodens, doch Schätzungen zufolge ist jeder vierte Meeresbewohner dort zu Hause: Mehr als 4000 Fischarten, Schwämme, Schalentiere, Weichtiere, Seesterne, Schildkröten, Seeschlangen und zahlreiche wirbellose Tiere – insgesamt über eine Million Arten. So sind die Riffe ein wichtiger Gradmesser für den Gesundheitszustand der Meere – und sie schlagen Alarm.

Die sogenannte Korallenbleiche (engl. „coral bleaching“) führt seit den 1980er Jahren weltweit zum großflächigen Korallensterben. Auch am 2300 Kilometer langen australischen Great Barrier Reef sind inzwischen über viele Kilometer nur noch weiße tote Korallenstöcke zu sehen. Hier – aber auch an vielen anderen Riffen - sind große Teile der einst so farbenprächtigen Unterwasserwelt verschwunden.

Der Grund dafür ist die in den letzten Jahren stetig angestiegen Durchschnittstemperatur der Weltmeere – eine klare Auswirkung des Klimawandels. Kommt dann noch das Wetterphänomen „El Niño“ hinzu, das der südamerikanischen Westküste ohnehin alle vier Jahre eine erhöhte Wassertemperatur beschert (was sich an Land in Form von starken Unwettern niederschlägt), haben die Korallen vielerorts keine Chance mehr.



Denn die dauerhaft erhöhten Temperaturen, die inzwischen weit jenseits der natürlichen Schwankungen liegen, stören das Zusammenleben der Korallen mit den einzelligen Algen, die sich traditionell auf ihnen ansiedeln und denen sie auch ihre prächtigen Farben verdanken.

Diese Symbiose hat für beide Arten Vorteile: Während die Korallen den Algen einen sicheren Lebensraum bieten, betreiben die Algen Fotosynthese und versorgen die Korallen ihrerseits mit Sauerstoff und Glukose – zwei Stoffe, die eine Koralle zum Überleben braucht.

Doch die Einzeller werden giftig, wenn die Wassertemperaturen dauerhaft über 30 Grad liegen – worauf die Korallen sie abstoßen. Damit verlieren sie nicht nur ihre Farbe, sondern auch ihre Lebensgrundlage: denn ohne Algen gibt es keine Fotosynthese und damit auch keinen Sauerstoff und keine Glukose.



Die Korallenbleiche führt nicht zwangsläufig zum Absterben der Koralle. Wenn die Hitzewelle nur wenige Wochen andauert, kann sie sich wieder regenerieren. Doch auch bei schnellwachsenden Korallen dauert es bis zu 10 Jahre, bis sich die Symbiose von Alge und Koralle wieder eingespielt hat. Ist das Wasser dauerhaft zu warm, besteht für das Riff so gut wie keine Hoffnung mehr.

Neben der Wassertemperatur haben die Korallen noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: der Versauerung der Ozeane. Auch das dies ist eine Folge des Klimawandels. Durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Erdöl und –gas befindet sich heute nicht nur mehr CO2 in der Erdatmosphäre, sondern auch in den oberflächennahen Schichten der Weltmeere. Das gelöste CO2 reagiert zu einem gewissen Teil zu Kohlensäure. Dabei werden Protonen frei, was zu einer Versauerung des Seewassers führt. Unter diesen Bedingungen ist es für die Korallen schwieriger ein stabiles Kalkskelett auszubilden.



Vamizi ist eines der weniger Riffe auf der Welt, das von diesen Problemen noch nicht betroffen ist – und das soll auch so bleiben.

Meeresforscher wie Dr. Sylvia Earle setzen sich dafür ein, weltweit sogenannte HOPE SPOTS zu etablieren. In diesen Schutzzonen sollen die Meeresbewohner, ähnlich wie in Nationalparks an Land, frei ohne menschlichen Einfluss leben können. 

Weitere Infos sowie eine Übersicht zu bereits eingerichteten aber auch geplanten HOPE SPOTS findet ihr auf mission-blue.org


Infografik: 10 Arten, Korallenriffe zu schützen:

So könnt ihr die Korallenriffe schützen: 

Quelle: NOAA


Diese 5 Organisationen wollen unsere Meere schützen: 

HOFFEN HEISST HANDELN

Hope Spots: Im fünften Tourjahr konzentriert sich die International OCEAN FILM TOUR
auf ozeanische Schutzzonen und Orte, die es werden sollen.

Doch nur wer handelt, darf auch hoffen.
Wir stellen euch fünf Organisationen vor und zeigen euch, was ihr tun könnt für den Schutz der Meere und die Zukunft!



VIVA CON AGUA: SAUBER WERDEN - SAUBER BLEIBEN

Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich dafür einsetzt, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem TRINKWASSER haben. Um dieses Ziel zu erreichen, fördert Viva Con Agua Wasserprojekte und Aktionen im In- und Ausland, unter anderem in Äthiopien, Nepal, Uganda und Ruanda. Dabei sind die Macher aus Hamburg der festen Überzeugung, dass sich auch ernste Themen dieser Welt mit Freude angehen lassen. Prominente Unterstützer sind u.a. die Künstler Marteria, Max Herre und Clueso.

TO DO:

Werdet Fördermitglied oder unterstützt Viva Con Agua als ehrenamtlicher Supporter auf Konzerten und Festivals. Der einfachste Weg um anderen zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen? Selber Wasser trinken und zwar das von Viva Con Agua!  www.vivaconagua.org




SURFRIDER FOUNDATION: WENIGER (MÜLL-)KIPPEN

Seit über 30 Jahren arbeitet die Surfrider Foundation daran, unsere Meere, Wellen und Strände zu schützen. Die Surfrider Foundation zielt mit der Kampagne Hold On To Your Butt darauf ab, die Verschmutzung der Meere durch Zigarettenstummel zu bekämpfen. Zigarettenkippen machen den größten Anteil an der erfassten Gesamtanzahl von Müllstücken aus. Meistens besteht der Filter aus Zelluloseacetat - einer Form von Plastik. Plastikmüll ist eine der größten Umweltbelastungen der Weltmeere.

TO DO:

Mal davon abgesehen, dass es unserer eigenen Gesundheit nicht gut tut - hört auf zu rauchen, dem Meer zuliebe. Achtet beim Einkauf darauf, so wenig wie möglich Plastikmüll zu produzieren. www.surfrider.eu


 



SEA SHEPHERD: GO LOCAL

Wer sich engagieren will, fängt am besten mit den eigenen Gewohnheiten und den Meeren vor der eigenen Haustür aus, wie beispielsweise der Ostsee! Die internationale Organisation zum Schutz der marinen Tierwelt Sea Shepherd ist 2018 wieder mit der MV Emanuel Bronner in der Ostsee unterwegs. Dort ist die nord-östliche Schweinswal-Population vom Aussterben bedroht. Beifang in Grundstellnetzen oder sogenannten Semi-Treibnetzen ist die Hauptbedrohung für die Tiere, trotzdem sind diese selbst in Naturschutzgebieten erlaubt. Sea Shepherd fordert ein Verbot dieser Fischereimethoden in Gebieten die für den Schweinswal lebensnotwendig sind.

TO DO:

Mit einer Spende könnt ihr Sea Shepherd bei ihrer Arbeit unterstützen. Mehr über alle Aktionen und Kampagnen findet ihr unter www.sea-shepherd.de!




WDC: WERDE WAL-PATE!

Wale sind unsere Partner im Kampf gegen den Klimawandel: Durch ihre Fähigkeit, die Ozeane zu düngen, die Meeresschichten zu mixen und CO2 zu speichern, spielen sie eine unersetzliche Rolle im Ökosystem der Meere. Wale fördern durch ihre Ausscheidungen die Sauerstoffproduktion und binden CO2 aus der Atmosphäre. Walschutz bedeutet also auch Klimaschutz. Whale and Dolphin Conservation (WDC) setzt sich für den Schutz der „Grünen Wale“ ein.

TO DO:

Werdet Wal-Pate und unterstützt die Organisation mit eurer Patenschaft! whales.org/pate-werden-spenden




OCEAN CARE: SEI EIN MEGAFON!

Nur wer weiß, was es zu schützen gilt, handelt auch. Deshalb ist die Aufklärungsarbeit und die Verbreitung von Informationen zum Meeresschutz so wichtig. OceanCare setzt sich seit 25 Jahren für den Meerschutz ein. Weltweit ist die Initiative mit führenden Wissenschaftlern vernetzt und bringt Forschungsresultate in alle wichtigen Gremien ein. Seit 2011 fungiert OceanCare als Sonderberaterin für Meeresfragen.

TO DO:

Informiert euch und teilt euer Wissen mit Freunden und Familie! Unter www.un.org findet ihr die 17 Ziele zur Nachhaltigkeit und Entwicklung, die die Vereinten Nationen 2015 festgesetzt haben. www.oceancare.org
 

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